DIE STILLE KRISE IM EINZELHANDEL

    Wie Sie Diebstahl vermeiden

    Hochwertige Waren im Fokus
    Im vergangenen Jahr wurden im deutschen Einzelhandel Waren im Wert von knapp drei Milliarden Euro gestohlen. Das ist ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr – Tendenz steigend. Über 379.000 Fälle wurden letztes Jahr polizeilich erfasst – die Dunkelziffer liegt jedoch deutlich höher. Besonders beliebt sind alkoholische Getränke, Tabakwaren und andere höherwertige Artikel.1

    Gestohlen wird dabei oft aus sehr unterschiedlichen Motiven – ein Beispiel ist der stille Protest gegen steigende Lebenshaltungskosten. Auch Mitarbeitende oder Lieferanten sind nicht immer unbeteiligt – 20 Prozent der registrierten Fälle gehen auf ihre Kosten. Eine Studie des Handelsforschungsinstituts EHI zeigt jedoch, dass ein Großteil der Inventurdifferenzen durch die Kundschaft sowie organisierte Banden verursacht wird.2

    Die Methoden der Täterinnen und Täter werden dabei immer raffinierter. Häufig kommen Ablenkungstaktiken zum Einsatz: Eine Person verwickelt die Kassenkraft in ein Gespräch, während eine andere unbeobachtet Ware entwendet. In zunehmendem Maß agieren auch organisierte Gruppen, die gezielt verschiedene Filialen abklappern – besonders ärgerlich für den Händler. Ebenso werden Produkte oft in Taschen, Kleidung, Kinderwägen oder leeren Kartons versteckt. Selbstbedienungskassen werden gezielt ausgenutzt, etwa durch das Scannen günstiger Artikel statt der tatsächlich eingepackten Produkte. Auch technische Manipulationen, beispielsweise an Sicherungssystemen oder Kameras, nehmen zu.

     

    Maßnahmen zur Vorbeugung
    Um Diebstahl in Ihrem Geschäft effektiv vorzubeugen, ist Ihre Aufmerksamkeit gefragt. Begrüßen Sie Ihre Kundschaft aktiv – das zeigt Präsenz und wirkt abschreckend. Achten Sie auf ungewöhnliches Verhalten, wie Nervosität oder ständiges Umschauen. Blind-Ecken im Markt sollten vermieden und gefährdete Produkte gut einsehbar, idealerweise in Sichtweite zur Kasse, platziert werden. Vitrinen für hochwertige Produkte sind empfehlenswert, sodass die Kundschaft die Ware nur auf Verlangen ausgehändigt bekommt. Elektronische Magnetstreifen an hochpreisigen Waren, die an der Kasse „entsperrt“ werden müssen, sind eine weitere Methode der Warensicherung.

    Viele Mitarbeitende im Einzelhandel berichten allerdings auch, dass es den Langfingern teilweise egal sei, ob sie beim Stehlen gesehen werden oder nicht. Eine neue Art der Dreistigkeit setzt sich bei ihnen durch.

     

    Was können Sie bei einem Verdachtsfall tun?
    Falls Sie einen Diebstahl vermuten, bewahren Sie Ruhe. Ihre eigene Sicherheit steht an erster Stelle – gehen Sie kein Risiko ein. Sprechen Sie verdächtige Personen, wenn möglich, freundlich an, etwa mit der Frage: „Kann ich Ihnen helfen?“ Melden Sie Ihre Beobachtungen sofort der Marktleitung oder einer zuständigen Person. Merken Sie sich auffällige Merkmale wie Kleidung, Verhalten oder Fluchtrichtung. Bitte greifen Sie niemals körperlich ein. Eine genaue Dokumentation des Vorfalls hilft bei der späteren Aufklärung. Denken Sie daran: Sie handeln nicht als Ermittelnde oder Sicherheitsdienst, sondern als aufmerksames Personal. Jede Beobachtung kann dabei helfen, Schäden zu vermeiden und ein sicheres Umfeld für Kundschaft und Team zu erhalten.


    Wir halten fest: Investitionen in Warensicherungen sowie Überwachungssysteme sind durchaus sinnvoll, doch auch Sie als Mitarbeitende können mit Ihrer Aufmerksamkeit einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung von Ladendiebstählen leisten.

     

     

    1www.tagesschau.de/wirtschaft/ladendiebstahl-106.html, Zugriff 19.09.2025

    2www.ehi.org/presse/mehr-verluste-durch-ladendiebstahl-erhoehtesicherheitsbudgets/, Zugriff 19.09.2025

     

     

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