Eine Geschichte von Badewannen voller Gin, Mafiabossen und der Erfindung der Bierdose.

Nach etlichen ausschweifenden Jahren des Konsums, ging es dem Alkohol in den USA am 16. Januar 1919 an den Kragen. Trotz eines Vetos von Präsident Wilson gab der Senat dem erheblichen Druck der Enthaltsamkeitsbewegung nach und verabschiedete an diesem schicksalhaften Tag den 18. Zusatzartikel der US-Verfassung. Der sogenannte „National Prohibition Act“ verbot ab dem 17. Januar 1920 Herstellung, Transport und Verkauf von Alkohol.

Trotz vieler Befürworter:innen empfanden große Teile der Bevölkerung diesen Eingriff in ihr Privatleben als zu weitreichend. So kam es am Vorabend der Prohibition zu grotesken Szenen. Landesweit erschienen tausende Menschen zu Beerdigungen eines gewissen John Barleycorn, der mit umfangreichen Trauerfeiern beigesetzt wurde. Die Gemeinden trugen jedoch keinen gewöhnlichen Verstorbenen zu Grabe. John Barleycorn war ein Pseudonym für die Lieblingsgetränke der Zeit: Bier und Whiskey.

Statt den Amerikaner:innen jedoch Gesundheit, Familienfrieden und mehr Sicherheit am Arbeitsplatz zu bringen, bewirkte die Prohibition vielmehr das Gegenteil: Sie machte selbst die ehrbarsten und bravsten Bürger:innen schon nach kurzer Zeit zu Kriminellen. Statt dem Alkohol abzuschwören, trank man fortan zu Hause oder in geheimen Flüsterkneipen, den sogenannten Speakeasies, illegal gebrannte oder geschmuggelte Ware. Angeblich stieg allein in New York die Zahl der versteckten Bars bis 1927 auf 30.000 bis 100.000.1 Diese gigantische Zahl an neuen Kneipen wollte natürlich mit Alkohol versorgt werden. Mafiabosse wie Al Capone stiegen im großen Stil in den Handel ein. Dabei machten sie nicht nur ein Vermögen, ihre Kriege pflasterten die Straßen auch mit zahlreichen Toten. Statt die Kriminalität zu senken, sorgte die Prohibition für einen ordentlichen Anstieg.

Man sollte eigentlich meinen, dass die Regierung diesen Entwicklungen Einhalt gebot, jedoch wurde recht wenig getan, um die illegalen Aktivitäten zu unterbinden. Die landesweit nicht einmal 3.000  Prohibitionsagenten waren schlecht bezahlt und bei der Bevölkerung extrem unbeliebt, sodass die Zahl der Bewerber:innen zu wünschen übrig ließ. Unter den Beamten fand man daher viele Personen, die bereits in ihrem vorherigen Berufsleben gescheitert und entsprechend ungeeignet bzw. unmotiviert waren.

Doch woher kam der Alkohol, den sie aufspüren sollten?
Wann immer es ging, wurde er aus aller Welt in die USA geschmuggelt. Insbesondere die kanadische Alkoholindustrie profitierte von der Prohibition. Über Flüsse und Seen, durch Tunnel oder über das Meer; es gab wohl kaum eine Route, die nicht genutzt wurde. Zwischen 1923 und 1929 wurden auf diese Art allein aus Kanada schätzungsweise mehr als fünf Millionen Liter Alkohol ins Land gebracht.

Wer sich die geschmuggelte „Luxusware“ nicht leisten konnte, griff auf Selbstgebranntes zurück. Insbesondere der Handel mit Gin boomte. Dies lag jedoch weniger daran, dass er besonders gut schmeckte. Gin war einfach sehr unkompliziert in der Herstellung. So konnte man innerhalb kürzester Zeit mit Neutraldestillat und Wacholderöl mengenweise Gin in der eigenen Badewanne herstellen. Sie können sich vorstellen, wie „gut“ diese und andere selbst gebrannte Spirituosen geschmeckt haben. Die Barkeeper, die sich aufgrund der aussichtlosen Lage noch nicht nach Europa abgesetzt hatten, mussten also kreativ werden, um Getränke mit einem annehmbaren Geschmack zu servieren. Es wurde zum Trend, den Drinks Saft, süße Liköre oder Sahne hinzuzufügen.

Die Zunahme der Verbrechen, die mangelnde Kooperation der Bevölkerung und schließlich die Auswirkungen der großen Depression ließen die Zahl der Prohibitionsworter:innen sinken. Der 1932 neu gewählte Präsident Roosevelt nannte den 18. Zusatzartikel sogar „eine generelle Ermutigung zur Gesetzlosigkeit“.
Zudem sah er in der Wieder-Legalisierung des Alkohols eine Möglichkeit, die leeren Staatskassen mithilfe einer Alkoholsteuer deutlich zu füllen.

So kam es, dass am 5. Dezember 1933, nach dreizehn langen Jahren, der 18. Zusatzartikel wieder aufgehoben wurde. Bis heute handelt es sich um den einzigen Zusatzartikel der USVerfassung, der jemals revidiert wurde. Zur Feier des Tages soll sich Prohibitionsgegner Roosevelt sehr fröhlich seinen Lieblingsdrink – einen Martini – gemixt haben.

Wie ging es weiter? Die Durststrecke mit gepanschtem Alkohol hatte ihre Spuren hinterlassen: Die Bevölkerung hatte sich an die neuen süßen und cremigen Drinks gewöhnt. Auch gab es während der Prohibition einen regelrechten Alkohol-Tourismus nach Kuba, durch den Rum zunehmend nachgefragt wurde. Dank einiger findiger Bar-Betreibenden führte dies in den 30-er Jahren zu einem Boom frisch-fruchtiger Cocktails und exotischer Rum-Kreationen.
Aber das ist nicht alles. Neben beliebten Cocktail-Kreationen, wie dem Zombie oder dem Red Lion, sind uns noch weitere Überbleibsel der Prohibition erhalten geblieben. Beispielsweise wurden 1933 neue Regelungen für den Verkauf und Konsum von Alkohol eingeführt. Eines der Gesetze war das Mindestalter für
den Alkoholkonsum. Auch gibt es bis heute einige Gebiete in den USA, die als „Dry Counties“ bezeichnet werden, da dort nach wie vor kein Alkohol verkauft werden darf.

Wie kam es in diesem Kontext zur Erfindung der Bierdose? 

Es ist der Sommer 1932. Die US-Regierung hat das Ende der Prohibition angekündigt. Es ist abzusehen, dass der Bedarf an Bier rasant steigen wird. Dies stellt die Gottfried Krueger Brewing Company vor ein großes logistisches Problem. Bierfässer lassen sich nicht gut stapeln und Bierflaschen sind zu schwer, um effizient transportiert zu werden. Doch wie soll die Bevölkerung flächendeckend mit Bier versorgt werden?

Der technische Leiter der Brauerei erinnert sich an ein Angebot der „American Can Company“, Getränke in Konservendosen zu verpacken. Am 24. Januar 1934 kommt das „Krueger Cream Ale“ erstmals in der Dose auf den Markt: Das ist die schwere Geburtsstunde der Getränkedose.
Denn zum Öffnen muss nicht nur ein spezieller Öffner verwendet werden, das Getränk wird für eine bessere Haltbarkeit auch auf 70 Grad Celsius erhitzt, wodurch
sich Metallteilchen lösen, die den Geschmack verändern. Doch all diesen Hindernissen zum Trotz wird die Getränkedose in den kommenden Jahren ein riesiger Erfolg!

 

Sie wollen einige Drinks der 30-er Jahre probieren? 

B&B

Der B&B entwickelte sich Anfang der 30er-Jahre zu einem der beliebtesten After-Dinner-Drinks in den USA. Da nur zwei Zutaten verwendet werden, ist der Cocktail schnell zubereitet und überrascht mit seinem kräftigen Geschmack.

Zutaten für einen B&B:

  • 50 ml Cognac (alternativ Brandy)
  • 30 ml Bénédictine Likör
  • 1 Bio-Zitrone
  • Eiswürfel
  • Glas: kleiner Tumbler

Zubereitung:

Geben Sie das Eis, den Cognac und den Bénédictine in einen kleinen Tumbler und rühren Sie alles kurz um. Garnieren Sie das Glas anschließend mit der Zitronenzeste.

 

Zombie

Der Zombie ist, dank der vielen Rum-Varianten und im klassischen Tiki-Glas serviert, charakteristisch für die 30er-Jahre.
Erfunden wurde der Cocktail ursprünglich von Hollywoods legendärstem Barkeeper Donn Beach. Er soll den Drink erstmals einem verkaterten Gast serviert haben, der später berichtete, dass er sich nach dem Genuss wie ein Zombie gefühlt habe. Kein Wunder, wenn man bedenkt, dass das Originalrezept ca. 120 ml Rum enthielt.

Zutaten für einen Zombie:

  • 30 ml kräftiger Rum, 30 ml leichter Rum, 30 ml Overproof Rum
  • 10 ml Cherry Brandy
  • 25 ml Zitronensaft
  • 40 ml Orangensaft
  • 15 ml Granatapfelsirup
  • 1 Zweig Minze
  • 1 Bio-Orange
  • Eiswürfel
  • Glas: Tiki-Glas

Zubereitung:

Alle Rum-Sorten, den Brandy und den Sirup zusammen mit den Säften in einen Shaker geben und kräftig schütteln. Eiswürfel in das Glas geben und den Mix auf die Eiswürfel abseihen. Mit Minze und einer Orangenscheibe dekorieren.

 

Red Lion

Ebenfalls Anfang der 30er-Jahre entwickelte der Hersteller der Marke „Booth“ den fruchtigen Drink. Anders als vermutet, hat der Name nichts mit der Farbe des Cocktails zu tun. Der Name geht ausschließlich auf das Etikett des Booth-Gins zurück, das ein roter Löwe ziert. Wenn Sie ihm etwas mehr gerecht werden möchten, können Sie dem Original einen Schluck Granatapfeloder Grenadine-Sirup hinzufügen.

Zutaten für einen Red Lion:

  • 30 ml Gin
  • 30 ml Grand Marnier
  • 20 ml Zitronensaft
  • 20 ml Orangensaft
  • Optional: 5 ml Granatapfeloder Grenadine-Sirup
  • 1 Bio-Orange
  • Eiswürfel
  • Glas: Coupette

Zubereitung:

Geben Sie den Gin, Grand Marnier, Zitronensaft, Orangensaft und ggf. den Sirup zusammen mit den Eiswürfeln in einen Shaker. Schütteln Sie diesen kräftig und seihen Sie den Mix in eine Coupette ab. Garnieren Sie den Drink mit einer Orangenspalte.

 

Daisy

Der Daisy wurde 1934 erstmals im Buch „Pioneers of Mixing Elite“ erwähnt und gilt als ein früher Vorgänger des heutigen Cosmopolitan. Er ist eine alte Getränkekategorie, die eng mit dem Sour verwandt ist, da ebenfalls eine Spirituose, ein Zitrussaft sowie ein Fruchtsirup miteinander gemixt werden.

Zutaten für einen Daisy:

  • 40 ml Gin
  • 20 ml Triple Sec
  • 15 ml Zitronensaft
  • 7 ml Himbeersirup
  • 1 Bio-Zitrone
  • Eiswürfel
  • Glas: Cocktailspitze

Zubereitung:
Geben Sie den Gin, Triple Sec, Zitronensaft und Himbeersirup zusammen mit den Eiswürfeln in einen Shaker. Schütteln Sie diesen kräftig und seihen Sie den Mix in eine Cocktailspitze ab. Dekorieren Sie den Drink mit einer Zitronenzeste.

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